Buch, das

Montag, 27. November 2006

Mr. Vertigo, Paul Auster


Bald darauf wurde ich still, fast heiter; ich fühlte, wie sich eine Gelassenheit in mir ausbreitete, die mir nach und nach durch die Muskeln bis in Fingerspitzen und Zehen strömte. In meinem Kopf waren keine Gedanken mehr, in meinem Herzen keine Gefühle. Ich war schwerelos in meinem Körper, trieb auf einem friedlichen See des Nichtseins, vollkommen losgelöst, vollkommen gleichgültig gegen die Welt um mich her. Und da habe ich es zum erstenmal getan-ohne Vorwarnung, ohne die leiseste Ahnung, daß es nun passieren würde. Ganz langsam hob sich mein Körper vom Boden. Die Bewegung war sehr natürlich sehr zart in ihrer Sachtheit und so merkte ich erst, als ich die Augen aufmachte, daß meine Gliedmaßen nur noch von Luft umgeben waren. Ich war nicht weit vom Boden- höchsten ungefähr eine Handbreit-, aber dort hielt ich mich ohne Mühre; ich hing, reglos treibend, wie der Mond am nächtlichen Himmel und spürte nichts anderes als den Atem meiner Lungen.

Als mein Bruder letztens mit den Worten: "Die hab ich gelesen gehören aber nicht mir" einen Stapel Bücher auf den Tisch knallte, holte ich mir gleich ein paar raus, auch wenn sie schon gar nicht mir gehörten. U.a. Herr Lehmann, Der große Gatsby (wirklich großartiges Buch) und eben ein Buch von Paul Auster, den ich nur von meinen "Prof. Schatz" geplagten Mitschülern kannte. Aber da sein bekanntestes Werk: "New York Triology".
Viel vom Plot mag ich gar nicht verraten, weil Mr. Vertigo mit vielen Überraschungsmomenten und 180° Drehungen glänzt. Es sei nur gesagt, dass es ums Fliegen geht. Ein gewisser Meister Yehudi, schnappt den kleinen Walt und reißt ihn aus seinem trostlosen Slumdasein in St. Louis und geht mit ihm in die noch trostlosere Wüste um ihm Fliegen beizubringen. Er schaffts tatsächlich und der Auster Pauli erzählts als wenn ers wirklich ernst meinen würd. Mit dem Fliegen können.
Wie ich finde eine fantastische Geschichte, die aber erzählt wird, als wäre es alles wahr. An die Grenzen geht Auster nicht nur mit der Glaubwürdigkeit, sondern auch mit den Drehungen der Geschichte. Oft würde man sich als Leser wünschen, dass der nette Walt endlich so weiterlebt und ein Hollywoodreifes Ende mit Geld, Frauen und Glück auf uns wartet. Nup, is nicht. Übertrieben ist die letzte Wendung, aber dennoch lesenswert. Würde ich ja sonst nicht posten wenns kompletter Dreck wär. Eine Menge Kritik an der Sensationslust, Kriminalität und dem Geld scheffeln mit beidem ist auch enthalten.

Mittwoch, 11. Oktober 2006

Baudolino, Umberto Eco

eco-20baudolino„Ja, ich weiß, das ist nicht die Wahrheit, aber in einer großen Geschichte kann man kleine Wahrheiten ändern, damit die größere Wahrheit hervortritt. (...) Früher oder später wird sie jemand erzählen, der noch verlogener ist als Baudolino.“

Es war schon komisch wie ich zu diesem Buch gekommen bin. Mit den Gedanken: "Jetzt les mal wieder was gscheites. Was Großes. So bisserl zum angeben..." So schritt ich zum Bücherstapel meiner Eltern, der wohl zu den "noch zu lesen" Stapeln gehörte, da so gut wie noch kein Buch wellige Seiten oder Eselsohren hatte. Als das Dickste der gestapelten hatte ich ihn gleich in der Hand den verlogenen, italienischen Bauernsohn Baudolino. Umberto Eco. Ah! Im Namen der Rose. Gekauft. (oder eher eingnaht) Mim Pauz ins Bad und ausgepackt das Prachtexemplar. So zum angeben. Anerkennendes Pfeifen vom Mann mit der zittrigen Hand. (Zitat Hader: Schön diese Doppelbödigkeit) Wenig später- genauer: 10 Seiten gelesen und 2 versuchte nervöse Anrufe bei seiner Liebsten vom Pauzudofulus- bin ich hellauf begeistert, mitgerissen in die Lügenwelt von Baudolino.

Der Eco Bertl erzählt in seiner wunderschönen romantischen Weise die Geschichte vom Baudolino und seinen Lügen in der Zeit des Mittelalters und den Kreuzzügen. Die Rahmenhandlung bildet das brennende Konstaninopelt, das beim dritten Kreuzzug von Kreuzrittern wenig christlich geplündert und verbrannt wirde. Baudolino erzählt einem griechischen Statthalter seine Lebensgeschichte, in der alles- richtig- mit einer Lüge begann und er zum Ziehsohn des germanischen Kaisers Friedrich Barbarossa wurde. Vor dem Hintergrund aller möglichen (kriegerischen) historischen Geschichten, war es immer wieder er- Baudolino -der im Hintergrund die Fäden zog und durch Lügen Wenden bei Kriegen oder Belagerungen herbeiführte. Als sein Lebensziel will er (nachdem im sein Lehrer Otto im Sterben davon erzählte) das Reich des Priesters Johannes finden, welches er auch mit allen möglichen Mitteln- also Lügen- versucht zu erreichen. Blöd nur, dass keiner weiß ob es überhaupt existiert. So wird eines Tages einfach beim 2ten Kreuzzug dort hin aufgebrochen...wohin? Irgendwo im Osten müsse es liegen. Auf der Reise kommt Friedrich um und Baudolino versucht es auf eigenen Faust und seine Erzählungen gelangen immer mehr in ein Fabelwelt mit wundersamen Geschöpfen und sagenreichen Gebieten.

Zwischen den historischen Ereignissen, die im wesentlichen mit unserer Geschichtsschreibung übereinstimmen dürften (nicht mein Wissen, Onlinerezenssionen behaupten das), ist immer wieder Theologie und Religion in ihren verschiedensten Ausprägungen Thema von Diskussionen der Hauptfiguren. Im wesentlichen kann man die Aufnahme von Erkenntnis, sei es nun von Geschehnissen, Geographie oder von Übernatürlichen, das der werte Bertl hier aufs Korn nimmt. Aus heutiger Sicht ist es schon abstrus mit welchen Karten bzw. Weltbild Baudolino und seine Kameraden nach einem Reich eines Priesters suchen, von dem sie gar nicht wissen wo es ist bzw. ob dieser Priester überhaupt existiert. Wieder ein Haufen Gesellschaftskritik steckt hier hinter allem möglichen. Allerdings ist nicht die Gegenwart mit all ihren neuen zu Schlagworten mutierten Herausforderungen Thema, sondern das Wesen menschlichen (Zusammen)Lebens über Generationen.

Hat mir gefallen und kann ich weiterempfehlen. Wen über 600 Seiten nicht abschrecken, lege ich das Buch nahe. Auch zum angeben geeignet.

Montag, 11. September 2006

Baudolino, Umberto Eco

Ich habe gerade erst angefangen. Aber ich muss es in die Welt schreien: Dieses Buch ist Wahnsinn! Genaueres wird bekanntgegeben wenn ich fertig bin. Kann nicht allzulang dauern.

Leseprobe
Der sterbende Bischof Otto zu Baudolino:
Ich rate dir nicht zu bezeugen was du für falsch hältst-aber sehr wohl falsches zu bezeugen, was du für richtig hältst.
Wunderbar.

Freitag, 3. März 2006

Macht und Rebell, Matias Feldbakken

3936738165-03-LZZZZZZZ "Krieg gegen meine Rasse, meine sexuelle Orientierung, meine Kultur. Am liebsten würde ich allen weißen, heterosexuellen Mainstream-Menschen das Recht aberkennen, Dinge zu MEINEN. Wie? Indem ich die Leute zu der Einsicht bringe, dass sie ihr eigenes Anrecht auf Meinungen bereits zunichte gemacht haben. Und wie haben sie das geschafft? Indem sie es mit der Toleranzideologie und dem Vielfaltsfetisch übertrieben haben. Der Mainstream-Mensch hat sich selber um das Menschenrecht auf Fremdbestimmtheit betrogen, und es ist an der Zeit, dass er die Folgen zu spüren bekommt. Was war das Ziel der großen Kämpfer der Menschenrechte? Das hier? Ein Meer von Individualisiten, die alle das Recht haben sich frei zu äußern?"
"Nein..."
"Nein. Wir müssen zurück in die Unsicherheit, Macht. Alles müsste zurück in Nebel und Unsicherheit."
S 278

Der Roman spielt mit Klischees. Veriwirft sie und macht aus alternativen Handlungsweisen und No-logo Mentalität Mainstream. Gesellschaftskritisch übertreibt Feldbakken in Sachen Untergrundbewegung, Nazismus und Pädophilie. Nicht geeignet für schwache Gemüter geht er dabei erschreckend genau ins Detail. Nicht umsonst weist der Verlag "darauf hin, dass das vorliegende Werk das moralische Empfinden verletzen könnte." Es tut es. Zweifellos. Gut und Böse werden aufgehoben. Sich für eine Seite zu entscheiden ist unmöglich.

Macht und Rebel sind zwei grundverschiedene Männer. Macht ist für die heutige Gesellschaft ein erfolgreicher Geschäftsmann, der es versteht mit Klischees zu spielen und sie für sich zu nutzen. Er ist gesellschaftlich anerkannt und wird von allen geliebt. Rebel ist ein vor dem Fernseher lungernder, für nichts zu begeisternder "Anti-Anti-anti", der gegen alles für nichts und vor allem gegen Begründungen ist. Erst als er "Mein Kampf" liest und Thong (ein "streng genommen noch" 13 jähriges Problemkind) kennenlernt, raft er sich dazu auf etwas zu bewegen. Aus unterschiedlichen Beweggründen schließen sie sich zusammen und organisieren einen Aufstand, der auf einen Schlag eine linke Untergrundorganisation und einen multinationalen Konzern zerstört. Das alles schaffen sie mittels pädophilen Pornos, Macht's Charme, einem Heer von 70 in Hotpants und Tanga gekleideten Minderjährigen und einer Handvoll von Einwandererjungs. Drogen, Sex und Gewalt. Unzensiert und schonungslos.

Was ich von dem Roman halte? Ich weiß es nicht. Und ich denke ich werde es auch nie wissen. Die Gesellschaftskritik trifft einen wie die Faust des Einwandererjungen Gold-Sultan. Schwarzer schonungsloser Humor unter allen noch so tief sitzendenen Gürtellinien gepaart mit Szenen ohne jeglichem moralischen Gewissen.
Was der Autor damit bewirken will? Ich weiß es nicht. Und ich denke ich werde es auch nie wissen. Ob Ideologie oder schlicht Aufzeigen derzeitiger Zustände. Beides ist so nicht hinnehmbar. Lediglich der Hinweis darauf was ohne Moral passiert lässt sich erkennen.
Empfehlen will ich diesen Roman dennoch. Genauso wie Houellebecq in Elementarteilchen zerstreuen die Hauptakteure Macht und Rebel das individualisierte Gehirn der Angehörigen der derzeitigen Risikogesellschaft. Gegensätze werden aufgezeigt und verworfen. Jeder Gedanke ist gut und akzeptiert. Dem folgt Felbakken. Was man daraus macht ist egal und akzeptiert.

Kluge Menschen

Wenn du vor knapp 19.000 im ausverkauften Hanappi aufläufst, dann sind das die Momente, wo du verstehst wieso du bei Minusgraden und Schneeregen trainieren gehst. - Th. Steiner

Kürzlich

congrats.
congrats.
docvoo - 16. Okt, 10:14
Nachtrag: Wonderful Tuscany
pierluigi - 15. Okt, 18:08
I have a job
So rasant die Veränderungen das ganze Jahr über waren,...
pierluigi - 15. Okt, 17:15
...
...um das gewissen zu befriedigen - immerhin ist nur"aktiv"...
Chilluminati - 29. Sep, 12:41
um zu zeigen dass dir...
um zu zeigen dass dir demokratie wichtig ist. um personen...
docvoo - 29. Sep, 11:11
Kann mir bitte jemand...
pierluigi - 29. Sep, 10:28
joho, morgen wieder in...
joho, morgen wieder in wien ... alles super
pasch - 19. Aug, 11:04
Update...
- Pkt 1: diesen Freitag - Pkt 2: zaht sich furchtbar -...
pierluigi - 6. Aug, 14:19

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